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Sonntag, 10.09.2006

Ach, wie schön. Richtfest für die - zukünftig - größte Moschee Deutschlands.



Die auch von der katholischen und evangelischen Gemeinde in Marxloh mitgeplante Begegnungsstätte wird vom Land und der EU mit insgesamt 3,16 Millionen Euro gefördert. Im Untergeschoss entstehen ein Seminarzentrum mit Bistro sowie ein Jugendtreff. Die Kosten für den Bau der Moschee von mehr als 7 Millionen Euro trägt der Moscheeverband der "Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion" (DITIB).

Wie schön, dass alle so fleissig mithelfen.

Was war noch mal DITIB?

Die "Türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion" (Diyanet Isleri Türk-Islam Birligi/DITIB) betreut nach eigenen Angaben etwa 600 Gemeinden mit insgesamt 110.000 Mitgliedern (Stand 1996). DITIB wurde 1985 in Köln gegründet und hat eine enge Bindung an das Präsidium für Religiöse Angelegenheiten (Diyanet Isleri Bakanligi/DIB) der Türkei, man könnte auch sagen, dass sie aus der Türkei gesteuert wird.

Orientierung: Bindung an den türkischen Staat

DITIB legt Wert darauf, kein Ableger des Ministeriums in Ankara zu sein, aber de jure und de facto sind die Imame und die Vorstandsmitglieder von dieser Behörde abhängig. Konsequenterweise vertritt DITIB dann auch einen ?staatstragenden" Islam, der die laizistische Ausrichtung der Türkei befürwortet. Gemäß den türkischen Verfassungsprinzipien sind Staat und Religion getrennt, aber über die oberste Religionsbehörde kann der Staat Einfluß auf die Gestaltung und Organisation des religiösen Lebens nehmen.

Und in der Vergangeheit hat der Staat wiederholt durch Gesetz und Verordnung direkt in das religiöse Leben eingegriffen. Der Eingriff konnte in der Vergangenheit sogar soweit gehen, dass von 1932 bis 1950 als Sprache des Pflichtgebetes und des Gebetsrufes anstelle des Arabischen den Imamen und den Muezzinen das Türkische vorgeschrieben wurde. Wenn in den 80er Jahren ein Wiedererstarken des Islams in der Türkei zu verzeichnen war, dann ist dieser teilweise auch von führenden Politikern unterstützt und benutzt worden. Es wurde in der türkischen Politik nie problematisiert, dass der Staat für Fragen der Religion und der Ethik zumindest eine sehr weitgehende Fürsorgeplicht, wenn nicht gar eine Aufsichtspflicht habe.

Diese Bindung an den Staat zeigt sich auch darin, dass sich Angehörige einer DITIB-Gemeinde nicht nur als Muslime sondern auch als staatstreue Türken fühlen. Eine solche Orientierung führt dann zum Beispiel dazu, dass man in der Frage eines künftigen islamischen Religonsunterrichtes den Standpunkt vertritt, dass dieser nur in der Muttersprache der Schüler (also Türkisch) erfolgen solle und bei der Erstellung eines Lehrplanes das Ministerium in Ankara zu beteiligen sei. Auf der anderen Seite gilt dann für viele andere muslimische Gemeinden DITIB nicht als vollwertiger Ansprechpartner. Der Verband steht für sie immer im Verdacht, nach der Pfeife Ankaras zu tanzen.

Zwischen DITIB-Gemeinden und VIKZ- bzw. Milli Görüsch-Gemeinden kann es dann machmal zu regelrechten Konkurrenzsituationen und Mitgliederabwerbungen kommen. Kritisch wird es dann besonders, wenn Fragen der Religion auf die politische Tagesordnung in der Türkei kommen und die Diskussion zwischen den Gegnern und den Befürwortern des "Staatsislams" nach Deutschland getragen wird.

Quelle

Ist doch nett, wie das türkische Religionsministerium hier Aufbauhilfe betreibt.

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